UMWELTBILDUNG
FLIEßGEWÄSSER
MOORE UND KLIMA

Fließgewässer

Fließende Gewässer gehören zu den interessantesten Ökosystemen unserer Erde. Flüsse formen die Landschaft, gleichen die Haushalte von Oberflächen- und Grundwasser aus und verbinden das Land mit dem Meer. Vielfältige Lebensräume wie Ufer, Sand- und Kiesbänke, Überschwemmungsgebiete mit ihren Auwäldern, Röhrichten, Flachwasserzonen, Mooren und Nebengewässern gehören ebenso zum fließenden Wasser wie der Flusskörper und breite Deltas oder tidenbeeinflusste Trichtermündungen. Dieses Ökosystem ist von steter Dynamik geprägt und beheimatet eine daran angepasste vielfältige Flora und Fauna.

Die Menschen siedelten seit alters her bevorzugt am Fluss: Er bot sauberes Trinkwasser, fruchtbare Uferbereiche und ein reiches Angebot an Wassergetier und Wild und dazu Schutz durch das Wasser vor Feinden. Man machte sich die Schiffbarkeit des Flusses - meist der einzige Verkehrsweg -  zu Nutze, missbrauchte den Fluss aber auch zunehmend um Abwässer fortzutransportieren und musste sich gleichzeitig vor der Gewalt des Wassers bei Hochwasser und Fluten schützen. So entstanden nach und nach immer einschneidender werdende Beeinträchtigungen des Fließgewässersystems.

Betrachten wir unsere heimische Natur und Landschaft heute, nach hundert Jahren intensivster Eingriffe in das Ökosystem Fluss, so können wir feststellen, dass sie nicht mehr nachhaltig funktionieren: Der Wasserhaushalt ist destabilisiert, die Stoffkreisläufe sind weiträumig beeinflusst und die fossilen Wasserreserven werden angezapft. Grundwasserneubildung und die Speicherfähigkeit von Kohlendioxid aus der Luft befinden sich im bedenklichen Rückgang. Schiffbare Flüsse sind zu Wasserstraßen degradiert worden und brechen aus ihrem Korsett ab und an in Form der bekannten Hochwasserkatastrophen aus. Flüsse und Bäche mit flächendeckenden Grabensystemen dienen vor allem dem Abtransport des Wassers aus der Landschaft zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität. Sie spiegeln als überdüngte und in ihrer Struktur degradierte Gewässer den Zustand unserer Landschaft wider.

Das Eingreifen des Menschen in die Wasserkreisläufe führt zu großflächigen Schäden wie Eutrophierung, struktureller Verarmung, gestörter Durchlässigkeit und geringem Rückhaltevermögen. Es kommt zur Verschmutzung von Nord- und Ostsee, einer rasanten Alterung der Landschaft, der Austrocknung und Überhitzung von Flächen, Atmos­phären- und Klimaschäden sowie dem Artenrückgang.

Natürlich können wir unsere Gewässerverbauungen nicht wieder rückgängig machen – wie sollten wir mit unseren modernen Ansprüchen sonst z.B. die norddeutsche Tiefebene bewohnen? Doch Kompromisse der Wasserwirtschaft sind nötig. Es gibt Möglichkeiten einer partiellen Wiedergutmachung an der Natur und an unserer gesunden Umwelt, die es zu ergreifen und umzusetzen gilt.

Dass ein dringender Bedarf in Richtung „zurück zur Natur“ bei unseren Gewässern besteht, belegt die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), die im Jahr 2000 erlassen wurde.

Die WRRL legt per Gesetz den Sollzustand unserer Gewässer fest, der bis zum Jahr 2015 umgesetzt sein muss:  Es soll ein „ökologisch guter Zustand“ erreicht werden. Die Definition dieses guten Zustandes ist in der Richtlinie streng festgeschrieben. Ihr zentrales Schutzgut ist nicht mehr nur das Wasser als möglichst jeder­zeit sicher verfügbare Ressource, sondern das Gewässer als Bestandteil aquatischer Ökosysteme, als Be­standteil eines komplexen Naturhaushaltes, als Lebens- und Ent­wicklungsraum mög­lichst vielfältiger Artengemeinschaften.

Seit dem Erlass der WRRL und ihrer Verankerung im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) 2002, steht die Öffentlichkeit in der Pflicht, eine ökologische Wasserwirtschaft zu betreiben und naturnahe Umgestaltungen von Gewässern in Angriff zu nehmen. Die Verteilung der Lasten zur Finanzierung ist jedoch noch nicht eindeutig festgelegt.

Wir sehen die Aufgabe unserer Stiftung in diesem Bereich darin, die Initiative für bestimmte Renaturierungsmaßnahmen zu ergreifen und durch eine Anschubsfinanzierung hierfür vorgesehene Fördermittel zu nutzen. Die Stiftung geht dabei Kooperationen mit anderen Naturschutzorganisationen, Behörden sowie Betroffenen aus Landwirtschaft und Unterhaltungsverbänden ein.

Beispiele
Stop-Ilisu-Kampagne
Die Wümme: Von der Geest bis ins Niedermoor - ein Modellprojekt zur Wasserrahmenrichtlinie

Bachrenaturierungen in Mecklenburg-Vorpommern
Embser Mühlengraben

 


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