Kinderexpedition Lager





Volontär Daniela

Dorf Esso im Bystrinskii Naturpark






Der Bystrinskij Naturpark auf Kamtschatka

und unser Volontärprogramm im Fernen Osten Russlands

Man muss schon in die Ferne schweifen, um an einen Ort zu gelangen, der noch Wildnis in riesigem Ausmaß aufweist. Kamtschatka, die Halbinsel im äußersten Osten Russlands, 1,5 mal so groß wie Deutschland, ist solch ein Ort: beeindruckend durch ausgedehnte pazifische Wälder, moorige Taiga und saubere Wildflüsse; charismatisch durch seine vielfältige vulkanische Landschaft und abwechslungsreiche Küsten; ökologisch besonders wertvoll durch seltene Arten und Ökosysteme. 58 % der Arten Kamtschatkas sind in der Roten Liste Russlands geführt und gelten als bedroht. 1996 und 2001 sind insgesamt knapp 4,3  Mio. ha der Vulkanlandschaften von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichnet worden.

Noch findet man hier ursprüngliche Natur in großem Umfang, doch die Bedrohungen für dieses Paradies lauern bereits vor seiner Tür. Die Manfred-Hermsen-Stiftung engagiert sich hier, um unserer Erde diese Naturoase so weit wie möglich zu erhalten. Unsere Stiftung unterstützt den Cluster „Bystrinskij“ im Naturpark „Vulkane Kamtschatkas“. Dabei organisiert sie zusammen mit der Naturparkverwaltung ein russisch-deutsches Freiwilligenprogramm und leistet auch in Einzelprojekten im Bereich Naturschutz und Umweltbildung inhaltliche und finanzielle Unterstützung.
Der "Europäische Freiwilligendienst" wird kofinanziert durch die Europäische Union.

      

Hintergrund
Aufgrund seiner Abgeschiedenheit und durch die Abschottung als militärisches Sperrgebiet blieb Kamtschatka bis 1990 für Außenstehende gesperrt und erlaubte der Natur eine relativ ungestörte Entwicklung. Seit den 1990er Jahren aber gerät die Idylle zunehmend unter den Druck verschiedener Interessen: Große, meist ausländische Fischereiflotten erwerben Lizenzen und überfischen die Küstenregionen. Es wird intensiv nach Bodenschätzen gesucht und mit der umweltbelastenden Förderung begonnen. Damit einher geht der Ausbau der Infrastruktur, die auch Wilderern einen leichten Zugang in abgelegene Gebiete ermöglicht. Schutzgebiete könnten in einigen Jahren ebenfalls der Förderung von Bodenschätzen zum Opfer fallen, falls ihre allgemein und staatlich anerkannte Bedeutung nicht steigt.

Wilderei ist in vielen Regionen Kamtschatkas ein großes Problem. Sie betrifft vor allem die verschiedenartigen pazifische Lachse (Oncorhynchus gorbuscha, - nerka, - kisutch, - keta), die auf ihren jährlichen Wanderungen die Flüsse hinaufziehen und zur Gewinnung ihres Roten Kaviars tonnenweise gefangen und getötet werden. Besonders tragisch ist dies, wenn man bedenkt, dass es auf Kamtschatka weltweit die größte Vielfalt an Lachsfischen gibt und schätzungsweise ein Fünftel der weltweiten Lachspopulationen in den Flüssen Kamtschatkas laichen. Die abnehmenden Lachsbestände machen in einigen Regionen bereits dem Kamtschatka-Braunbären (Ursus arctos beringianus) zu schaffen, für den sie im Herbst eine wichtige Nahrungsgrundlage sind. Die Braunbären werden außerdem auch direkt bedroht, durch legale und in ungefähr gleicher Größenordnung illegale Trophäenjagd. Auch für den chinesischen Markt, auf dem die Bärengalle als vielseitiges Medikament heiß begehrt ist, müssen viele unserer „Urahnen“, wie die das Volk der Ewenen die Bären bezeichnet, ihr Leben lassen. Zu den weiteren bedrängten und bejagten Tierarten gehören das Schneeschaf und der Zobel.

Die Wilderei kann kaum kontrolliert werden, weil es an Personal und Sachmitteln in dieser weitläufigen Region fehlt. Außerdem behindert Korruption den entschiedenen Kampf gegen die Wilderei. Dem Naturpark fehlt auf seinem eigenen Gebiet sogar die zugesprochene Kompetenz zur Festnahme von Wilderern. Eine weitere Gefährdung für die Natur Kamtschatkas stellen die Waldbrände dar, die teils auf die Unachtsamkeit von Menschen, teils auf defekte und veraltete Fahrzeuge zurückzuführen sind. Allen voran betrifft dies alte militärische Raupenfahrzeuge, die heute dort, wo Straßen und Wege für Radfahrzeuge fehlen, für den Personen- und Gütertransport genutzt werden.

Bis Ende 2009 war unsere Förderregion noch ein selbständiger Naturpark und hieß Naturpark „Bystrinskij“. Am 1. Januar 2010 wurden im Zuge einer Reorganisation die 4 bis zu diesem Zeitpunkt selbständigen Naturparks Kamtschatkas zu einem gemeinsamen Naturpark „Vulkane Kamtschatkas“ zusammengeführt. Die ehemaligen einzelnen Naturparks sind zu Clustern umbenannt worden.

Unsere Förderung im Bystrinskii Naturpark seit 2004

Unser Schwerpunkt der Kamtschatka-Arbeit liegt in der Unterstützung der Aufgabenbewältigung des Naturparks „Vulkane Kamtschatkas“, wobei wir uns regional auf den Naturparkcluster „Bystrinskij“ in Zentralkamtschatka konzentrieren. Der Bystrinskij-Cluster ist mit einer Fläche von gut 1,3 Mio. ha (fast so groß wie Schleswig-Holstein) das größte Schutzgebiet der Halbinsel.

Bisherige Aktivitäten
In der Zeit zwischen 2004 und 2009 unterstützten wir den Bystrinskii-Naturpark durch verschiedene Aktivitäten, die in einem Gesamtkonzept standen und mit dem Managementplan des Parks sowie den Arbeiten anderer Organisationen wie dem WWF, IUCN, UNDP und Pro Sibiria e.V. abgestimmt waren. Unser Konzept beinhaltete Parküberwachung, Umweltbildung und Ökotourismus.

In den Anfangsjahren des Naturparks halfen wir dabei, grundlegende Anschaffungen zu organisieren. So konnten mit unserer Hilfe ein Allradfahrzeug gekauft, eine Rangerstation gebaut und ein Besucherzentrum eingerichtet werden.

Mit unserer Hilfe wurde 2005 ein ökologischer Kinder- und Jugendclub gegründet, der das Umweltbewusstsein der Heranwachsenden stärken soll. Zu den Aktivitäten des Kinderklubs gehören  bis heute Ausflüge in den Bystrinskij Cluster des Naturparks, Umweltkurse, Filmvorführungen zu umweltrelevanten Themen sowie die Zusammenarbeit mit der Schule in Esso und Experten auf dem Gebiet Naturkunde und „Outdoor“ aus ganz Kamtschatka. Bis 2007 hat auch der WWF bei der Organisation von ökologischen Sommerlagern für Kinder geholfen. Seit dem Herbst 2010 leitet eine ehemalige Freiwillige, Larisa Kravcova, den Kinderclub. Sie erhält nicht nur von der Manfred-Hermsen-Stiftung, sondern auch von der NGO Pacific Environment zunächst für 1 Jahr finanzielle Unterstützung bei ihrer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen in Esso.

Aktueller Schwerpunkt des Engagements der Stiftung: Das Freiwilligenprogramm
Momentan konzentriert sich unsere Stiftung auf ein Freiwilligen-Programm, mit dem 2006 begonnen wurde. Wir möchten fortan interessierten jungen Leuten durch ein längeres Praktikum im Bystrinskii Naturpark die Möglichkeit eröffnen, in einer sehr fremden, zugleich wunderschönen und extremen Gegend ihre Erfahrungen mit Natur und Naturschutz zu machen. Sie lernen dabei nicht nur ein fremdes Land, das Leben und die Besonderheiten eines Naturparks auf Kamtschatka kennen, sondern werden zudem ermutigt, ihre eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, kreativ zu sein und Toleranz zu üben. Die Freiwilligen und ihre Tätigkeiten genießen Respekt, wecken Neugier und Interesse bei der lokalen Bevölkerung. Oft werden die jungen Menschen gefragt, warum sie denn aus dem Westen, wo das Leben viel besser sei, in die russische Provinz kommen?

Auf diesem Wege treffen unterschiedliche Lebensgeschichten und Lebenseinstellungen zusammen, die Freiwilligen und Einheimischen tauschen sich untereinander aus und lernen voneinander.

Die aus dem deutschsprachigen Raum kommenden Freiwilligen haben je nach ihren Fertigkeiten Spuren im Naturpark hinterlassen. Sie haben das Besucherzentrum mit Informationsplakaten, interessanten Exponaten, einer Spielecke und einer Diashow am Besuchercomputer mit Leben gefüllt. Darüber hinaus haben sie Informationsbroschüren zu den Wanderwegen auf Englisch, Deutsch und Russisch, Postkarten sowie Wanderkarten erstellt, den Bau von Erlebnispfaden angeregt, Wanderwege markiert und an der Erstellung der Homepage mitgewirkt. Es wurden auch  botanische Beschreibungen zu den Wanderwegen vorgenommen sowie ein Herbarium angelegt. Seit dem ersten Jahr erfreut sich der Deutsch- und Englischunterricht großer Beliebtheit, den die Freiwilligen Kindern und Erwachsenen regelmäßig unentgeltlich anbieten. Schließlich haben die Freiwilligen auch bei den verschiedensten Bauarbeiten im Naturpark geholfen, in dessen Rahmen Schutzhütten, Unterstände, Toiletten und Feuerstellen entstanden sind.

Mittlerweile sind auch direkte Naturschutzaufgaben zum Schwerpunkt der Freiwilligentätigkeiten geworden. In Zusammenarbeit mit anderen Freiwilligen und den Naturparkmitarbeitern wurden botanische und faunische Bestandsaufnahmen durchgeführt, Kartierungen u.a. zu Vogelpopulationen und ihre qualitative Fotodokumentation vorgenommen und ein umfangreiches Monitoringprogramm ist in Gang gesetzt worden.

Der 2015 veröffentlichte Band "Flora & Fauna des Bystrinskij Naturparks" des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation enthält einige Beiträge unserer Freiwilligen. Hier können Sie eine Übersetzung der Inhaltsangabe einsehen.

Von 2008 bis 2013 erhielt unser Freiwilligenprogramm Unterstützung von dem EU-Programm „Jugend in Aktion“, dies wurde 2014 vom EU-Programm ERASMUS+ abgelöst. In diesem Zusammenhang nehmen die deutschsprachigen Freiwilligen am Europäischen Freiwilligendienst (EFD) teil. Ansprechpartner dafür ist in Deutschland die Deutsche Nationalagentur " Jugend für Europa". 

    

Nicht zuletzt aufgrund dieser Unterstützung kann die Manfred-Hermsen-Stiftung seit 2009 zusätzlich junge Experten aus dem russischsprachigen Raum entsenden. Wir möchten dadurch zum Einen den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen russischen und deutschen Freiwilligen fördern, zum Anderen die Nachwuchsförderung im Naturpark unterstützen. Wir sind bemüht, solche jungen Menschen aus Russland, der Ukraine oder Weißrussland für den Freiwilligendienst zu begeistern, die aus den „grünen“ Bereichen wie zum Beispiel Biologie, Ökologie und Ähnlichem kommen. Sie haben dann im Naturpark „Vulkane Kamtschatkas“ die Möglichkeit, durch ein mehrmonatiges Praktikum Berufserfahrung zu sammeln. Dies ist wichtig, weil die jungen Russen die „Realität“, das heißt den Arbeitsalltag in einem Naturpark mit all seinen Facetten kennen lernen. Zweitens hoffen wir dadurch junge Experten zu finden, die auch nach ihrem Freiwilligendienst im Bystrinskij Cluster weiterarbeiten möchten. Denn das Finden von qualifizierten Mitarbeitern für diesen entlegenen Bereich des Naturparks „Vulkane Kamtschatkas“ ist sehr schwierig. Mit ihrem Fachwissen und ihrem hohen Engagement bringen die russischsprachigen Freiwilligen somit hauptsächlich das Monitoringprogramm voran, betreiben Untersuchungen zur Flora und Fauna des Schutzgebietes und bringen Schwung in die Diskussionen um die Möglichkeiten der Natur- und Umweltschutztätigkeiten des Naturparks. Letzteres ist sehr bedeutend, da dadurch junge Menschen neue und moderne Ansichten zum Schutz der Naturschätze und Lebensräume ihrer Heimat in die „russische Provinz“ transportieren.

Insgesamt war der Freiwilligendienst bisher für alle Freiwilligen eine Bereicherung. Jeder von den Freiwilligen hat gute Ideen und viel Elan mitgebracht, die von großer Hilfe für den Park waren und alle empfanden ihren Aufenthalt als persönlichen Gewinn.

Ein Bericht von Jugend für Europa 

Freiwilligenfotos 2008/2009
Hier können Sie weitere Fotos anschauen: 1 2 3 4 5

Für den Bystrinskii Park bedeuten die Volontäre mit ihren vielfältigen und sehr guten Arbeitsergebnissen einen großen Gewinn. Sie tragen durch ihre Aufgeschlossenheit und Kommunikation mit Dorfbewohnern wesentlich zu einer besseren Akzeptanz für die Einrichtung Naturpark unter der Bevölkerung bei. Hier finden Sie einige Berichte der zurückgekehrten Freiwilligen:

Bericht Stefan Kraneis, Volontär 2015-16
Bericht Max Nitzsche, Volontär 2015-16
Bericht Lukas Schmidt, Volontär Juni - Juli 2015

Bericht Sophie Wagner, Volontärin 2014-15
Bericht Andreas Donadel, Volontär 2013-14

Bericht Jan-Tobias Matysik, Volontär 2013
Bericht Stefan Siegel, Volontär 2011-2012
Bericht Maude Erasmy, Volontärin 2011-2012 [englisch]
Bericht Benjamin Finke, Volontär 2011-2012
Bericht David Kirschenheuter, Volontär 2010-2011
Bericht Kostja Chikalov, Volontär aus Weißrussland 2010-2011
Bericht Frederic Hake, Volontär Juli - Okt. 2011

Bericht Vera Esser, Volontärin 2010-2011
Bericht Susan Köcher, Volontärin 2010-2011
Bericht Hanna Watzl, Volontärin aus Österreich 2009-2010
Bericht Nils Zydek, Volontär 2009-2010
Bericht Larisa Kravcova, Volontärin 2009-2010
Bericht Anna Basler aus der Schweiz, Volontärin 2009-2010
Bericht Hannah Seyfang, Volontärin Dez. 2008 - März 2009
Bericht Berit Voges, Volontärin 2008-2009
Bericht Frederik Baumgarten, Volontär aus der Schweiz 2008-2009
Bericht Nora Gasser aus der Schweiz, Volontärin 2007-2008
        Arbeitsergebnis N. Gasser "Der B.park als Biosphärenreservat?"
Bericht Samuel Zürcher aus der Schweiz, Volontär 2007-2008
Bericht Carsten Heuer, Volontär 2007-2008 [Englisch]
Bericht Katharina Tvrdinic und Christian Kühn, Volontäre Juni bis Aug. 2008
Bericht Edgar Sauer, Deutsch-Ukrainer, Volontär Juli bis Okt. 2007
Bericht Siegfried Weidlich aus Österreich, Volontär Juli bis Dez. 2007
Bericht Judith Kiss aus Deutschland, Volontärin Juni 2006 bis Mai 2007
Bericht Daniela Wendland aus Deutschland, Volontärin Juni 2006 bis Mai 2007
Bericht Adam Elliott aus England, Volontär Juni bis Sept. 2006
Bericht Christoph Kunkel aus Deutschland, Volontär Juni bis Dez. 2006
        Chr. Kunkel: "Vegetation im B. Naturpark" Teil 1, Teil 2, Teil 3

Hier findet Ihr die Ausschreibung für ein Volontariat. Bei Interesse meldet Euch bitte bei uns. E-mail: larisa.kravcova(a)m-h-s.org

Für Geld- oder Sachspenden an den Bystrinskii Cluster des Naturparks „Vulkane Kamtschatkas“ wäre der Park sehr dankbar! Geldspenden an die Stiftung für diesen Zweck leiten wir ohne administrative Abzüge zu 100 % direkt auf das Konto des Parks. Eine Spendenquittung erhalten Sie von uns ab € 200,00.

An dieser Stelle sei noch einmal dem "Freundeskreis Kamtschatka" für die Sachspenden gedankt! Zu nennen sind vor allem ein Teleskop, ein Mikroskop mit Zubehör, ein Schlafsack, ein Fernglas und sechs Drachen.
 
Seite des Bystrinkii Clusters (erstellt von unseren Kamtschatka-Volontären):
www.bystrinsky-park.com

Seite des Naturparks "Vulkane Kamtschatkas":
www.vulcanikamchatki.ru [russisch]

 

 

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