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Indonesiens Torfwälder

Gezielte Hilfe für Regenwaldschützer auf Borneo

Mit der Unterstützung besonders engagierter kleiner Naturschutzorganisationen auf Borneo, mit denen unsere Partnerorganisation „Rettet den Regenwald“ seit Jahren eng zusammenarbeitet, möchten wir einen Beitrag zum Erhalt der wertvollsten Regenwälder unserer Erde leisten. Unser Engagement dient sowohl dem Regenwald- und Artenschutz als auch dem globalen Klima.

Hintergrund

Die Rodung tropischer Regenwälder setzt ca. 20 % der weltweiten Kohlenstoffemissionen frei. Stehen diese Wälder auch noch auf Niedermoorböden, wie in unteren Regionen Indonesiens, kommt auch noch die Freisetzung des im Boden gespeicherten Kohlendioxids hinzu, sobald diese Flächen für z.B. Palmölplantagen beackert werden.
Indonesien hat 265.000 km2 Moorflächen und ist damit weltweit an dritter Stelle hinter Russland und Kanada. Auch die gesamte gespeicherte Kohlenstoffmenge mit 54 Milliarden Tonnen bringt Indonesien nach den oben genannten Ländern an den dritten Platz. Allerdings ist Indonesien mit fast 500 Millionen Tonnen pro Jahr weltweit der größte CO2-Emittent: Durch die Entwässerung, nachfolgende Rodung und landwirtschaftliche Nutzung der Torfwälder. Zusammen mit Malaysia und anderen Ländern in Südostasien werden jährlich alleine durch Wald und Moorbrände 400 Millionen Tonnen Kohlenstoff ausgestoßen. 600 Millionen Tonnen Kohlenstoff pro Hektar auf ca. 12 Millionen Hektar entstehen durch die Entwässerung von Mooren in Südostasien. Bis 2008 sind schon ca. 125.000 Hektar Moor degradiert. Wiedervernässungsprojekte und der Schutz verbliebener Flächen sind von äußerst hoher Priorität. Das Speicherpotential geht theoretisch in die 2 Gigatonnen pro Jahr, realistisch aber immerhin mehrere 100 Millionen Tonnen pro Jahr. (Joosten 2009).

Projekte
Über unseren Partner „Rettet den Regenwald“ unterstützen wir seit 2008 mehrere Aktivitäten auf Borneo, in der Provinz Kalimantan, wo derzeit der Fokus der Palmölbranche liegt. Es geht bei diesen Projekten vor allem um eine langfristig angelegte Aufklärung der Bevölkerung, damit diese sich selbst gegen den Verlust ihres Lebensraumes Regenwald wehren kann. Die meisten Bewohner des Regenwaldes wissen nicht einmal, dass sie überhaupt Rechte haben, geschweige denn welche und wie sie diese durchsetzen können. Ihnen wird weisgemacht, dass sie keine andere Wahl hätten, als den Palmölplantagen zuzustimmen. Sie werden mit lausigen Entschädigungen gelockt und dem Versprechen, auf den geplanten Plantagen eine Arbeit zu bekommen. Doch es sind, wenn überhaupt, die niedrigsten und gefährlichsten Jobs als Tagelöhner.
Die Arbeit der Aktivisten ist äußerst schwierig, ihr Radius beträgt mehrere hundert Kilometer, die Dörfer sind meist sehr abgelegen und die Straßen denkbar schlecht.

1. Save our Borneo (SOB)
Diese Nichtregierungsorganisation wurde vor knapp vier Jahren von Nordin, einem erprobten Regenwaldkämpfer, gegründet. Ihr kleines Büro steht in Palangkaraya, Hauptstadt von Zentralkalimantan. Von hier aus zieht ein knappes Dutzend Mitarbeiter die Fäden für ein riesiges Netzwerk. Ein großer Stab an Außenmitarbeitern ist ständig unterwegs, um Dörfer ausfindig zu machen, denen die Palmölfirmen das Land geraubt haben. Sie informieren die Dörfler, wenn sie erfahren, dass Wald für neue Plantagen  gerodet werden soll und wer dahinter steckt. 300.000 Menschen in einem Radius von mehr als 500 km werden von SOB beraten. Sie erarbeiten und verteilen monatlich eine Informations-Broschüre, schalten Anzeigen in Zeitungen, werben im Radio und TV.  „Wir fahren Fahrrad gegen das Tempo eines Flugzeugs“, sagt Nordin. „Doch jeder Erfolg ist Motivation, den Kampf um den Regenwald nicht aufzugeben.“ Ein Erfolg sieht z.B. so aus: 326.000 ha Wald konnten in den letzten Jahren gerettet werden, weil die Provinzregierung auf Druck von SOB Genehmigungen für den Ölmulti Wilmar zurückgezogen hat.

Mit 2.000 Euro im Monat, so kalkuliert Nordin, könnten sie ihre Aktionen ausweiten, zusätzliche Aktivisten beschäftigen und noch mehr Öffentlichkeitsarbeit machen. Mit Hilfe unserer Stiftung wird die Ausweitung der Aktivitäten von SOB für zunächst einmal die kommenden zwei Jahre unterstützt.

2. Roadshow in Westkalimantan – Nichtregierungsorganisation Walhi (indonesischer Zweig von Friends of the Earth)
Sie fahren mit Motorrädern von Dorf zu Dorf, haben einen Computer, eine DVD und einen Beamer dabei. Sie zeigen der versammelten Gemeinde
des jeweiligen Dorfes einen Film mit der schrecklichen Wahrheit – es ist ein Film, wie eine Plantage entsteht: Zuerst werden wertvolle Bäume gefällt, dann brennt der Wald, Planierraupen walzen den Boden platt, Bagger bereiten ihn vor, Orang Utans sterben auf den Feldern. Hektarweit wachsen jetzt Monokulturen, die staubige Hitze ist unerträglich, die Flüsse und Bäche stinken von Pestiziden. Die Menschen haben mit ihrem Wald auch ihre Nahrungsquelle verloren, vom mageren Stundenlohn auf den Plantagen können sie kaum leben.
Dieser Film ist ein voller Erfolg. Die Mitarbeiter der NGO Walhi touren mit ihm entlang der Grenze zu Malaysia, denn hier plant die Regierung, großflächig die Wälder zu roden für Palmölplantagen. Aus Gründen der wirtschaftlichen Entwicklung – und weil angeblich die Grenze dann besser geschützt werden kann.

Alle Dörfer, in denen der Film gezeigt wurde, haben gegen den Verkauf ihres Waldes gestimmt. Alle anderen waren dafür oder gespalten, als die Konzerne kamen, um ihre Angebote zu unterbreiten. Einige wollten verkaufen, andere nicht. Man darf nicht vergessen: Es sind die Ureinwohner, die oft zurückgezogen im und vom Wald leben, kaum lesen und schreiben können. Deshalb ist auch in diesem Projekt-Gebiet vielschichtige Informationsarbeit die stärkste Waffe im Kampf gegen die Konzerne. Und sie kann noch das Schlimmste verhindern.Mit Hilfe der Stiftung können die zwei bisher teuer geleasten Motorräder gekauft und neue Mitarbeiter eingestellt werden.

3. Hilfe für den Orang Utan durch COP
Das Centre for Orangutan Protection (COP) begann sein Engagement mit der Rettung von Orang Utans, die durch Regenwaldverlust heimatlos geworden sind. Die Pflegestationen von COP auf Java und Borneo sind zum Anziehungspunkt vieler auch einheimischer Besucher geworden. Diese Öffentlichkeitsarbeit führt nach und nach zu einem Interesse der Einheimischen für den Orang Utan und dessen Schutzwürdigkeit. Inzwischen ist COP eine der wichtigsten NGOs in Indonesien zum Schutz der Orang Utans und ihres natürlichen Lebensraumes, dem Regenwald.

Hier sind wir 2008 mit der Finanzierung eines Geländefahrzeugs und neuer Mitarbeiter behilflich gewesen.

Weitere Informationen:
Rettet den Regenwald

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