Das Projekt
Geschichte des Projekts
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UNESCO Welterbe

Geschichte des Projekts    

Seit den 1950er Jahren diskutiert, lag 1982 ein erster Projektentwurf für den Ilisu-Staudamm vor. Es dauerte aber noch bis 1997, bis die Umsetzung in Angriff genommen wurde. Damals bekam ein Konsortium aus der Schweiz, Österreich, England, Italien und Schweden den Auftrag, die Federführung lag beim Schweizer Unternehmen Sulzer Hydro (Sulzer Hydro wurde 1999 von der österreichischen VA Tech Hydro aufgekauft, die 2006 wiederum in den Besitz der österreichischen Andritz AG überging). Um Exportversicherung wurde in den entsprechenden Ländern angesucht. Die schweizer Union Bank of Switzerland (UBS) sollte die Finanzierung sicherstellen. Nach intensiven Auseinandersetzungen und Kampagnen, zog sich 2000 das schwedische Unternehmen Skanska zurück. Ein Jahr später folge die britische Baufirma Balfour Beatty sowie die italienische Firma Impregilo. Im Februar 2002 verabschiedete sich auch die schweizerische Bank UBS von dem Projekt. Sie begründete diesen Schritt mit den anhaltenden Unklarheiten über soziale und ökologische Konsequenzen, eine Position, die die Bank auf Anfrage 2006 noch einmal bekräftigte. 

Im Herbst 2004 startete die türkische Regierung einen neuen Anlauf. Um die österreichische VA Tech als Konsortialführer bildete sich bis 2005 ein neues Baukonsortium mit Züblin (Deutschland, mittlerweile im Mehrheitseigentum der österreichischen STRABAG), Alstom, Stucky, Maggia, Colenco (Schweiz) sowie den türkischen Firmen Nurol, Cengiz, Celikler, Temelsu. Bei den Exportkreditagenturen von Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde die Haftung beantragt. Mit der VA Tech und Alstom (ehemals ABB) waren diejenigen Unternehmen wieder dabei, die sich nie von dem Projekt distanziert hatten.

Statt der UBS sollte die Finanzierung über mehrere europäische Banken gesichert werden. Im Juni 2007 zog sich die Züricher Kantonalbank (Schweiz) von dem Projekt zurück. Das Projekt sei mit den Prinzipien der Bank zur Nachhaltigkeit nicht vereinbar, so die Begründung. Dessen ungeachtet blieben die österreichische Bank Austria Creditanstalt, die französische Societé General und die deutsche DEKA Bank daran interessiert, lisu mit Krediten zu finanzieren. 

Trotz weltweiter Protest und obwohl sich das Projekt kaum von dem ersten unterscheidet, das zuvor abgelehnt wurde (gleiche Ausmaße und gleicher Betrieb des Projektes, mit fast identischen ökologischen, kulturellen und humanitären Konsequenzen), gaben die drei Länder im März 2007 ihre Zustimmung zum Projekt und übernahmen die Exporthaftung. Im August 2007 wurden die Verträge zwischen der Türkei, dem Baukonsortium und den Banken unterzeichnet. Im Frühjahr 2008 wurde mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen.

Nach drei Jahren öffentlichen Widerstands in Europa und der Türkei und fortlaufender Missachtung von Projektauflagen und internationalen Standards seitens der Türkei kündigten die drei Länder im Juli 2009 ihre Projekt-Verträge und es kam im Sommer 2009 zu einem Baustopp. Auch die europäischen Banken und Unternehmen zogen sich aus dem Projekt zurück, allein die österreichische Andritz AG hält weiterhin an "Ilisu" fest.

Im Frühjahr 2010 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen, die Türkei versucht nun das Projekt aus eigener Tasche (ohne Gelder aus Europa) zu finanzieren und gegen den Willen der lokalen Bevölkerung durchzusetzen.
 
„In vielen Fällen wurden durch unvorhergesehene Umweltwirkungen die ursprünglichen Entwicklungsziele des Projektes nachteilig beeinflusst oder sogar zum Scheitern gebracht“
(World Commission On Dams (WCD), 2000: Dams and Development; A New Framework for Decision Making. Earthscan Publications LTD, London and Sterling, VA. 404 pp.)   

-> Chronologie des Ilisu-Projekts bis Juli 2009 (pdf)

 

last updated: 25.08.2010