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22.03.2013: Weltwassertag: Offener Brief aus dem Irak an Andritz AG    

Anlässlich des heutigen Weltwassertages und der ironischerweise am selben Tag stattfindenden Aktionärsversammlung der Andritz AG übermittelten irakische Zivilgesellschaftsorganisationen heute einen Brief mit über 4.400 Unterschriften aus dem Irak an Andritz-Chef Wolfgang Leitner. Sie bringen damit ihrer Sorge um die verheerenden sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Folgen des türkischen Ilisu-Staudammprojektes für den Irak (flussabwärts des Staudammes) zum Ausdruck und fordern das Unternehmen auf, sich aus dem Projekt zurückzuziehen.

Die Andritz AG unterzeichnete bereits im Jahr 2007 Verträge für die Lieferung von Turbinen für das kontroversielle Staudammprojekt, damals mit österreichischen Bundesgarantien durch die Kontrollbank. Andritz verblieb im Projekt selbst nachdem sich 2009 die Kontrollbank, gemeinsam mit den involvierten europäischen Exportkreditagenturen und Banken aus menschenrechtlichen und ökologischen Bedenken aus dem Projekt zurückzogen und übernahm sogar zusätzlich die Verträge der deutschen und schweizerischen Konsortialpartner für die Technologielieferungen für den Staudamm.

Die Teilnahme an solch desaströsen Projekten widerspricht nicht nur den eigenen Nachhaltigkeitsaussagen der Andritz AG, sie bricht auch mit internationalem Recht. Der Ilisu-Staudamm wird unter anderem das Menschenrecht auf Wasser im Irak, wie im UN-Pakt für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte festgelegt, verletzen“, erklärt Thomas Wenidoppler von ECA Watch Österreich. „Sowohl die Türkei als auch Österreich haben diese Verträge unterschrieben. Somit müsste eigentlich auch die österreichische Regierung ihre Schutzpflicht wahrnehmen und sicherstellen, dass heimische Unternehmen nicht an der Verletzung dieser Rechte teilhaben,“ so Wenidoppler. (Details zu den internationalen Verträgen sowie den Auswirkungen im Irak finden sich im offenen Brief im Anhang.)

Der offene Brief wurde von 4447 Irakern gezeichnet und erhielt Unterstützungserklärungen von staudammbetroffenen Gemeinschaften in anderen Ländern wie Chile, Indonesien, Spanien, Türkei und Iran. Neben Ilisu ist Andritz aktuell auch an den umstrittenen Staudammprojekten Belo Monte und Rio Madeira in Brasilien, sowie dem Xajaburi-Staudamm in Laos beteiligt. All diese Projekte gehen mit dokumentierten Menschenrechtsverletzungen und massiver Umweltzerstörung einher.

Hier der offene Brief an Andritz-Chef Wolfgang Leitner (original englisch / deutsche Übersetzung), sowie die Presseaussendung der irakischen NGOs.

Weitere Informationen über die Save Tigris and Iraqi Marshes Campaign:
http://www.iraqicivilsociety.org/archives/category/save-the-tigris-and-marshes