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21.05.2011: Türkei, Chile, Brasilien: Proteste gegen Staudammflut    

Wien, 21.5.11 Während weltweit immer mehr Staudämme geplant und gebaut werden, formiert sich zunehmend Widerstand gegen die angeblich saubere Energieform. In diesen Tagen gehen zigtausende Menschen in Santiago/Chile auf die Straße, um gegen die Zerstörung der Flüsse Patagoniens zu protestieren. In der Türkei nähert sich der „Große Anatolische Marsch“ seinem Ziel, dem Regierungssitz in Ankara. Und in Brasilien sind die Proteste gegen den geplanten Belo Monte Staudamm sowieso auf internationalem Niveau. Immer mehr Menschen kommen drauf, dass die angeblich saubere Wasserkraft kein Beitrag zum Klimaschutz, sondern eine der schlimmsten Techniken für Natur und Menschen ist. „Klimaschutz durch Naturzerstörung ist absurd und kann nicht funktionieren,“ so Ulrich Eichelmann von ECA Watch.

Nach Auskunft der IHA, der International Hydro Association, dem Dachverband der Wasserkraftlobby, sollen derzeit 5.000 Wasserkraftwerke im Bau sein. Zigtausende sind in Vorbereitung. Werden sie tatsächlich gebaut, wäre es vorbei mit der Artenvielfalt der Erde. Tausende Arten würden aussterben und hunderte Millionen  Menschen würden darunter leiden.
Doch der Widerstand dagegen wächst. 

In der Türkei geschieht gerade etwas Einmaliges: ausgelöst durch den Widerstand gegen das Ilisuprojekt am Tigris, formierte sich im ganzen Land eine Bewegung gegen die geplanten 2.000 Staudammprojekte und gegen die Naturzerstörung generell. Die Menschen wollen sich nicht mehr gefallen lassen, dass ihre Natur zerstört und ihre Dörfer abgesiedelt werden. Insgesamt 11 Gruppen marschieren seit Wochen durch ganz Anatolien, dem asiatischen Teil der Türkei. In den nächsten Tagen kommen sie in Ankara an. „We don´t give up Anatolia!“ und „We don´t give up mother Earth“ heißt es auf den Plakaten der Marschierenden. 40 Tage und 40 Nächte waren sie unterwegs.  Mehr unter www.vermeyoz.net.

In Chile sollen ebenfalls hunderte Staudämme gebaut werden, selbst in bisher vollkommen unberührten Gebieten Patagoniens sollen die Flüsse abgeleitet, aufgestaut und „abgearbeitet“ werden. Hochspannungsleitungen über tausende Kilometer in die Abnehmergebiete würden zudem einen erheblichen Eingriff darstellen. Doch die Menschen in Chile wollen sich das nicht gefallen lassen. Quer durch alle Bevölkerungsschichten und Parteien erhebt sich der Widerstand. In den vergangenen Tagen sind in der Hauptstadt Santiago 30.000 Menschen auf die Straße gegangen. Heute ist der nächste Protest geplant, 40.000 Menschen werden erwartet. Mehr unter:
www.latimes.com/news/nationworld/world/la-fg-chile-dam-protest-20110521,0,4899212.story

www.bbc.co.uk/news/world-latin-america-13445300


„Es ist die Maßlosigkeit und die Rücksichtslosigkeit der Staudammpolitik, die die Menschen weltweit so wütend macht“, so Ulrich Eichelmann. „Wenn wir nicht aufpassen, werden auch die letzten Naturgebiete in den nächsten 10-15 Jahren zerstört.“ Projekte, die noch vor 10 Jahren wegen zu gravierender Folgen abgelehnt wurden, werden nun auf einmal ohne Überprüfung genehmigt. Im Namen des Klimaschutzes droht ein enorme Natur- und Kulturzerstörung. Doch die Proteste in aller Welt machen Mut.

 

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