Bilder
Videos & Hoerfunk
Dokumente & Expertenberichte
Ansichtssache

07.03.2011: Die andere Andritz Bilanz - Profit durch Zerstörung    

80.-100.000 Menschen und hunderte Arten zahlen den Preis für Gewinne

"Der nachhaltige Schutz der Umwelt und die Schonung der natürlichen Ressourcen sind wesentliche Anliegen der ANDRITZ-GRUPPE."
(www.andritz.com/de/ANONID3AE11CAB295EC641/about-us/sustainability/investors-environmental-sustainability.htm)

„ANDRITZ ist der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet. Für ANDRITZ schließt dieser Begriff umfassende Umweltschutzmaßnahmen ein, geht aber gleichzeitig über diese hinaus."
(www.andritz.com/de/ANONID3AE11CAB295EC641/about-us/sustainability.htm)

 Karikatur Andritz Bilanz

„Nachhaltigkeit à la Andritz". Copright: ECA Watch/Sibylle Vogel 

Am 8. März stellt die Andritz AG ihre Bilanz für 2010 vor.  Dabei wird von Umsätzen und Gewinnen die Rede sein. Was wohl kaum zur Sprache kommt, ist der Preis, der dafür gezahlt werden muss und den zahlt nicht Andritz, sondern Natur und die Menschen vor Ort. ECA Watch Österreich hat sich die öko-soziale Bilanz 2010 des Unternehmens angesehen.

„Die Bilanz der Zahlen mag gut sein, die reale Bilanz für Menschen und Natur ist verheerend. Andritz hat sich zu einer der rücksichtslosesten Firmen der Branche entwickelt. Sie beteiligen sich auch an Projekten, bei denen selbst Mitkonkurrenten aussteigen," so Ulrich Eichelmann von ECA Watch Österreich.

Die soziale und ökologische Bilanz von Andritz bei den drei größten Projekten Ilisu (Türkei), Belo Monte und Rio Madeira (Brasilien):
- Vertreibung von 85.000 bis 100.000 Menschen [1]
- Eliminierung von 100-150 Tierarten [2]
- Zerstörung von ca 210.000 Hektar einzigartiger Natur- und Kulturlandschaft [3]
- Zerstörung der antiken Stadt Hasankeyf und anderer Kulturschätze am Tigris.

Diese Zahlen stellen eine extreme Untergrenze dar. Zum einen, weil man nur wenig über Arten in den Gebieten weiß und weil weit mehr Menschen unter flussabwärtigen Folgen der Staudämme leiden werden (Wassermangel, -verschmutzung) und zum anderen, weil nicht sämtliche Projekte von Andritz eingerechnet werden konnten (keine Daten). Zu diesen Zahlen kommt noch das Zellstoffprojekt „Bell Bay pulp mill" in Tasmanien hinzu, das zurzeit auf Eis liegt und an dessen Bau sich Andritz beteiligen will. Für den Betrieb dieser Anlage würden 200.000 Hektar Wald benötigt und täglich 64.000 Kubikmeter Abwasser ins Meer gelangen.

Für den Bekanntheitsgrad und die Reputation der Firma war 2010 ein besonderes Jahr. Die Schar der Gegner ist deutlich gestiegen. Menschenrechts-, Umweltschutz- und kirchliche Organisationen agieren gegen den Konzern. Aktionen gegen Andritz fanden 2010 in Österreich, Frankreich, Türkei, Tasmanien und Brasilien statt. Die Nichtregierungsorganisationen BankTrack und Amis de la Terre setzten Andritz auf die Schwarze Liste jener Firmen, die nicht mehr im Portfilio von Ethikfonds vorkommen sollen. [4]

Andritz rücksichtsloser als andere
Die Andritz AG beteiligt sich selbst an Projekten, von denen Regierungen abraten und selbst Mitkonkurrenten Abstand nehmen. Beweis dafür ist das Ilisu-Staudammprojekt in der Türkei. Nach zweijähriger Untersuchung empfahlen Deutschland, Österreich und die Schweiz den Ausstieg. Alle europäischen Banken und Baufirmen folgten der Aufforderung, nur Andritz widersetzte sich und verkündete Mitte 2010 stolz „den größten Auftrag der Geschichte" eingefahren zu haben. (Andritz Hydro News Nr.18).

Im September 2010 dann eine weniger erfreuliche Nachricht für Andritz. In Tasmanien wird das Zellstoffprojekt „Bell Bay pulp mill" und damit ein mehrere hundert Millionen Euro Auftrag für Andritz auf Eis gelegt (geschätzt 500 Mio Euro). Diese Fabrik hätte 200.000 Hektar Urwald vernichtet und täglich 64.000 Kubikmeter Abwasser ins Meer gespült. Über die endgültige Zukunft des Zellstoffprojekts soll in Kürze entschieden werden.

Anfang 2011 dann der erwartete Vertrag zum Belo Monte Projekt. Die Aktie stieg daraufhin, für Menschen und Natur eine schlechte Nachricht. „Die schönen Versprechungen über Nachhaltigkeit auf ihrer Website wirken angesichts der Realität geradezu zynisch. Andritz sollte sich eigene Sozial- und Ökostandards auferlegen und sich dann auch daran halten," so Ulrich Eichelmann.

[1] Vertrieben oder Verlust der Lebensgrundlage: Ilisu: 65.000-78.000 Menschen, Belo Monte: 20.000 Menschen, Rio Madeira: ?
[2] gemeint ist Aussterben weltweit: Belo Monte:100 Fischarten + unbekannte Anzahl anderer Arten, Ilisu: mindestens 2 Arten, Rio Madeira:?
[3] Direkt durch Bau oder Betrieb betroffene Flächen: Ilisu: 31.300ha, Belo Monte 150.000 ha (51.600 ha Reservoir + trocken gelegte Flächen); Rio Madeira: 50.000ha
[4] front_content.php?idcat=143&idart=662

 

Fotos von Protesten gegen Andritz aus Österreich, Tasmanien, Brasilien, Frankreich

Protest in Graz (Österreich), Frühjahr 2010
Protest in Graz (Österreich), Frühjahr 2010
 
Protest in Tasmanien 2010
Protest in Tasmanien 2010
 
Protest in Brasilien 2010
Protest in Brasilien 2010
 
Protest in Paris 2010
Protest in Paris 2010 (Copyright:Thomas Léaud/Survival)