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06.12.2010: Solidaritätsaktion mit Bischof Kräutler und den Menschen am Xingu-Fluss    

"Rote Karte" für die Andritz AG!

Am 6.12.2010 um 10.30 hat vor der Niederlassung der Andritz AG (1120 Wien, Eibesbrunnergassse 20) eine Solidaritätsaktion vom Welthaus Wien und von der Dreikönigsaktion, Hilfswerk der Katholischen Jungschar, stattgefunden. Unterstützt wurde die Aktion von Greenpeace, WWF, Klimabündnis und Eca Watch Österreich. Mit heissen Sambarhythmen von samba-attac und einer „Roten Karte" für den „Manager mit Kettensäge" wurde die Andritz AG aufgerufen, auf ihre Beteiligung am Mega-Kraftwerk „Belo Monte" im brasilianischen Regenwald zu verzichten. Dieses wird unter Missachtung internationaler Konventionen und der brasilianischen Verfassung durchgepeitscht und hätte dramatischen Auswirkungen auf die einzigartige Natur und die (indigene) Bevölkerung am Xingu-Fluss. Heute abend um 18.00 wird der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler in Stockholm auch aufgrund seines mutigen Einsatz gegen das Mega-Kraftwerk Belo Monte mit dem Alternativ-Nobelpreis geehrt.

Foto: DKA/Rupprecht           -> Weitere Bilder: Fotostory auf www.derstandard.at

Als Abschluss der Aktion wurde der Andritz AG "Botschaften aus dem Regenwald" übergeben: Erstens das aktuelle Buch von Bischof Erwin Kräutler und zweitens ein gemaltes Bild von jungen Künstlern aus Nicaragua, das die weltweite Solidarität mit ihm und seinem Anliegen ausdrückt. Bischof Kräutler im O-Ton: „Das Projekt Belo Monte ist ein Verbrechen an der Natur und an den Menschen, es ist der Todesstoß in das Herz Amazoniens. Die Andritz AG darf sich auf keinen Fall daran beteiligen." 

Mit im Gepäck hatten das Welthaus Wien und die Dreikönigsaktion, Hilfswerk der Katholischen Jungschar, also auch die Forderung an die Andritz AG, sich nicht zum Komplizen von Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen zu machen und die geplante Beteiligung am Mega-Kraftwerk Belo Monte aufzugeben. Stattdessen soll auf zukunftsfähige und angepasste Technologien gesetzt werden, die das Leben der Menschen auf unserer Erde ermöglichen und nicht bedrohen.

NGO-Vertreter im anschließenden Pressegespräch: 

Martin Krenn (Vorsitzender der Katholischen Jungschar Österreichs, Dreikönigsaktion):

Belo Monte bringt den Menschen am Xingu keinen Fortschritt, sondern vielfache Zerstörung: Die zu überflutende Fläche hat fast die Dimension des Neusiedlersees und des Bodensees zusammen. Zwangsabsiedelungen von rund 30.000 Menschen, der Verlust des Fischreichtums, die Zerstörung des Regenwaldes und die Überflutung von einem Drittel der Hauptstadt Altamira sind nur die direkten Folgen dieses Vorhabens. Wir wollen nicht, dass Österreich auf der Täterseite steht - das betrifft vor allem das Bestreben der Andritz AG, Turbinen für das Unrechtsprojekte Belo Monte zu liefern. Denn auch als potetiell profitierender Lieferant, hat die Andritz AG eine menschenrechtliche Verantwortung.

Helmut Schüller (Universitätsseelsorger, Katholischer Akademikerverband, ehem. Caritas-Direktor):

Auch bei Unternehmen ist die Handschlagqualität wichtig. Die Andritz AG ist Mitglied bei RespAct, einer Plattform österreichischer Unternehmen, die sich freiwillig zur Einhaltung sozialer und ökologischer Standards verpflichten. Diese Selbstverpflichtung und die Aussagen im Leitbild passen nicht mit der Praxis der Andritz AG zusammen, die anscheinend den Profit über alle anderen Werte stellt. Ich appelliere an die Unternehmensverantwortung der Andritz AG und daran, die eigenen Aussagen wirklich ernst zu nehmen. 

Thomas Wenidoppler (ECA Watch Österreich):

In machen Bereichen leistet die Andritz AG gute Arbeit. Doch Beteiligungen an den schlimmsten Staudammprojekten der Welt, wie etwa Belo Monte oder Ilisu, sind für die Unternehmenspolitik symptomatisch. Es gilt, die technischen Innovationen der Andritz AG für nachhaltige und ökologisch angepasste Projekte zu nutzen, statt in veraltete Mega-Kraftwerke zu investieren. Belo Monte ist der Türöffner für eine Reihe weiterer geplanter Kraftwerke, gegen die sich der Widerstand formiert.

Maria Etl (Katholische Arbeitnehmer/innenbewegung Österreichs):

Die Mitarbeiter/innen der Andritz AG werden in einen Gewissenskonflikt gebracht, weil die Unternehmensführung ihre Verantwortung für Menschen und Umwelt bei Belo Monte missachten. Dieses Kraftwerk dient nur der mächtigen Baulobby und bringt keinen Fortschritt für die Menschen, sondern nur Verlust an Lebensraum.