Bilder
Videos & Hoerfunk
Dokumente & Expertenberichte
Ansichtssache

06.12.2010: ECA Watch gratuliert Bischof Erwin Kräutler    

In Cancún verspricht Brasilien weitere Staudämme als Klimalösung

Wien/Cancún 6.12.2010 ECA Watch Österreich gratuliert Bischof Erwin Kräutler zur heutigen Verleihung des Right Livelihood Award, bekannt als Alternativer Nobelpreis. Das ist eine Auszeichnung für Bischof Kräutler, seinem Einsatz für indigene Völker und dem Schutz der Lebensgrundlagen. Es ist aber auch ein wichtiges Zeichen für den Kampf gegen Staudämme generell. Und der wird immer wichtiger. Denn auf der Klimakonferenz in Cancún ist allerortens von neuen Staudämmen als Beitrag zum Klimaschutz die Rede, besonders von Brasilien. Die wollen im Amazonasgebiet „grüne Energie" gewinnen. „Über die Folgen dieses Ausbauwahns redet niemand. Hier wird versucht Klimaschutz gegen Natur- und Menschenschutz auszuspielen", so Ulrich Eichelmann von ECA Watch aus Cancún.

Der Rückenwind der Klimadiskussion macht nun offensichtlich Dinge möglich, die vor Jahren wegen gravierender ökologischer und sozialer Folgen nicht machbar waren. Deshalb soll Belo Monte jetzt gebaut werden und zahlreiche weitere Staudämme im Amazonasgebiet folgen. In Cancún präsentierten das brasilianische Energieministerium Pläne, in den nächsten Jahren den Wasserkraftbereich enorm auszubauen, als Beitrag zum Klimaschutz. Gestaut werden sollen vor allem die Flüsse im Amazonasgebiet. Belo Monte ist dabei so etwas wie der Türöffner für weitere Staudämme. „Good News for the Climate", nannte das Silvia Calou, vom brasilianischen Verband der Stromerzeuger ABCE hier auf der Konferenz am vergangenen Donnerstag. Das sind „bad news" für die Artenvielfalt und die Indigenen des Regenwaldes: laut Wissenschaftlern der brasilianischen IBAMA - das brasilianischen Umweltinstitut - könnte dies das Ende von ca. 1.000 Fischarten bedeuten. Das entspricht etwa zehn Prozent  aller Süßwasserfischarten der Welt.

Die Brasilianische Regierung möchte neben China zur globalen Staudammweltmacht aufsteigen. Brasilien setzt sich auf der COP 16 dafür ein, dass verstärkt Staudämme aus den Verschmutzungszertifikaten und mittels „Clean Development Mechanism" (CDM) finanziert werden können. Das soll Geld in die Taschen der Staudammlobby spülen, um vor allem in Afrika, China und Indien neue Megadämme zu errichten.

„Der Schutz der Lebensadern der Welt bekommt für die Artenvielfalt eine ähnliche Bedeutung wie der Schutz der Wälder, so Ulrich Eichelmann. Und nun hat dieser Widerstand gegen die Zerstörung der Flüsse mit Bischof Kräutler einen weltweit anerkannten Mitstreiter.

Laut der International Hydropower Association, einem Interessensverband der Wasserkraft, sollen derzeit etwa 30.000 Dämme im Bau oder in Vorbereitung sein.