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Ansichtssache

29.10.2010: Ilisu: Schlüsselübergabe ist Akt der Vertreibung    

Türkische Staudammpolitik Thema in EU

Die geplante Schlüsselübergabe von Premier Erdogan am kommenden Sonntag in der Ortschaft Ilisu ist ein symbolischer Akt mit zynischem Charakter. Die Menschen bekommen die Häuser nämlich nicht als Entschädigung gratis überreicht, sondern sie müssen sie teuer bezahlen. Für ihr altes Haus erhalten sie 20.000 Türkische Lira (etwa 12.500 Euro), für die neuen Unterkünfte müssen sie aber 70.000 Lira zahlen. "Die Differenz von umgerechnet 25.000 Euro kann in der Region niemand aufbringen. Faktisch ist das eine Enteignung der Menschen und eine Vertreibung, weil sie gezwungen werden abzuwandern", so Ulrich Eichelmann von der Stop Ilisu Kampagne.

Während die Regierung unter Premier Erdogan am Projekt festhält, formiert sich immer stärkerer Widerstand gegen "Ilisu". Bürgerinitiativen aus dem ganzen Land, Künstler und Wissenschaftler protestieren gegen die "Verdammung der Türkei". Es liegt auch eine Alternativvariante vor, die deutlich weniger Land unter Wasser setzen und v.a. die jahrtausende alte Stadt Hasankeyf erhalten würde.

Im Europäischen Parlament findet am 18. November eine Konferenz über die türkische Staudammpolitik statt. Initiativen aus der ganzen Türkei berichten über die ökologischen, kulturellen und sozialen Folgen des drohenden "Staudammtsunamies". Die Regierung in Ankara plant weitere 1.500 Staudämme.