Bilder
Videos & Hoerfunk
Dokumente & Expertenberichte
Ansichtssache

16.9.2010: Ilisu: Widerstand in der Türkei wächst - Sezen Aksu und andere türkische Künstler starten neue Initiative gegen Megadamm     

Nach Popstar Tarkan geht nun auch der wohl größte und einflussreichste Musikstar der Türkei gegen das Ilisu-Projekt an die Öffentlichkeit, die Sängerin Sezen Aksu. Mit „Ich bin aus Izmir, stamme aber aus Hasankeyf“ startete sie jetzt eine Petition gegen den Staudamm, an der sich fast alle namhaften KünstlerInnen des Landes beteiligen werden. Getragen wird die Initiative von der türkischen Naturschutzorganisation Doga Dernegi. Unterschreiben kann man die Petition unter www.hasankeyf.dogadernegi.org. Fast 70.000 Menschen haben schon gegen den Staudamm und für die Ausweisung als Welterbestätte unterzeichnet.

Sezen Aksu setzt sich für die Rettung von Hasankeyf ein. 

Mit dieser Initiative wollen Sezen Aksu und andere Künstler darauf aufmerksam machen, dass die Wurzeln von uns allen in Hasankeyf und am Tigris liegen. Die Stadt Hasankeyf im Zweistromland ist eine der ältesten Siedlungen der Menschheit mit einer 12.000-jährigen durchgehenden Geschichte. Sie würde in den Fluten des Ilisu-Stausees untergehen.

Während die türkische Regierung unter Premier Erdogan das Referendum über die Verfassungsänderung erfolgreich bestritten hat, bleibt das Ilisu-Projekt ein Problem für die Regierung. Zwar wird am Tigris bei der Ortschaft Ilisu seit Frühjahr 2010 wieder am Staudamm gebaut, doch immer mehr Stimmen werden laut, die den Stopp des Projekts fordern. Auch die von der Technischen Universität Ankara ausgearbeitete Alternative, statt einem Megadamm fünf kleinere Dämme zu bauen und so Hasankeyf zu erhalten, gewinnt zunehmend an Unterstützer.

Dabei hat der Widerstand gegen Ilisu auch Vorbildfunktion für andere Staudamm-Initiativen. Insgesamt plant die Türkei den Bau von über 1.500 weiteren Dämmen im ganzen Land. Doch ausgehend von Ilisu werden Staudammprojekte in der Türkei immer häufiger kritisiert und zum Teil sogar Baustellen besetzt. Vor allem der türkische Umweltminister und oberster Staudammbauer – Veysel Eroglu – kommt zusehends unter Druck. Erst kürzlich hatte er das Engagement von Tarkan gegen die Staudämme heftig kritisiert. Er solle sich um das kümmern, was er kann, nämlich singen und sich nicht gegen Staudammprojekte engagieren, war sinngemäß die Aufforderung Eroglus an Tarkan. Daraufhin solidarisierte sich der Kulturminister Ertugrul Günay mit Tarkan und stellte sich öffentlich gegen seinen Kollegen.

Ilisu ist für die Türkei mehr als nur ein Kampf um Natur und Menschenrechte am Tigris. „Der Widerstand gegen Ilisu ist jetzt schon ein Erfolg, weil er anderen Gruppen Mut macht gegen Naturzerstörung und Menschenrechtsverletzungen aufzustehen. Er ist ein Beitrag zur Demokratisierung der Gesellschaft,“ so Ulrich Eichelmann von ECA Watch Österreich.