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17.05.2010: Jetzt offiziell: Andritz bleibt als einziges europäisches Unternehmen im Ilisu Projekt, Alstom und Züblin steigen aus - Bauarbeiten haben erneut begonnen    

Die österreichische Andritz AG verbleibt als einziges europäisches Unternehmen im umstrittenen Ilisu-Staudammprojekt in der Türkei. Die Firmen Alstom (FR/CH) sowie Züblin (D/AUT, Strabag Tochter) sind endgültig ausgestiegen. Das geht aus einem Bericht des tschechischen Generalkonsuls der Türkei hervor.

Nach diesem Bericht über Projekte in der Türkei übernimmt Andritz die Aufträge von Alstom, die Arbeiten von Züblin werden von türkischen Firmen übernommen. Die fehlenden Gelder, die durch den Ausstieg der europäischen Banken im Juli 2009 entstanden sind, werden demnach zum Teil durch die türkische Halkbank in Bahrain aufgebracht. Ob bei der Beschaffung dieser Kredite die österreichische VATech Finance eine Rolle gespielt hat bzw. spielt - ist noch unklar. Die zuständige türkische Wasserbaubehörde DSI hatte jedenfalls am 20. April in einem Schreiben klargestellt, dass für die Aufbringung der Gelder die österreichische VATech Hydro GmbH verantwortlich sei (Zitat aus Schreiben vom 20.4.2010: „The credit is generated by the finance leader of the project, Va TECH Hydro Gmbh & Co.").

Vor kurzem ergab eine Überprüfung der Baustelle durch ECA Watch, dass in Ilisu wieder massive Bauarbeiten eingesetzt haben. Der Bau ist nach dem Rückzug der beiden europäischen Firmen selbst nach türkischem Recht illegal, weil die Bauvergabe an das internationale Konsortium vergeben wurde. Anwälte der Staudammgegner in der Türkei versuchen derzeit den Bau zu stoppen. Die türkische Wasserbaubehörde DSI argumentiert hingegen, dass sich das Baukonsortium nicht geändert habe, weil Andritz weiterhin mit dabei ist.

Andritz kann also den Unterschied machen. Die Verantwortlichen von Andritz, allen voran Vorstandschef Wolfgang Leitner, sind in einer seltenen Position: ihr Mittun oder Ausstieg entscheidet über Untergang der Region oder Erhalt der einzigartigen Landschaft mit den Jahrtausende alten Kulturschätzen, sowie über die Zukunft von etwa 70.000 Menschen. „Kündigt auch Andritz die Verträge, muss der Bau gestoppt und das Projekt neu ausgeschrieben werden", so Ulrich Eichelmann kurz nach seiner Rückkehr vom Tigris. Ein Prozedere, das mehr als ein Jahr dauern würde.

Im Juli 2009 hatten Deutschland, Österreich und die Schweiz nach mehrjähriger Prüfung des Projekts die Verträge mit der Türkei aufgrund der bevorstehenden verheerenden Folgen gekündigt. Die europäischen Banken zogen ihre Kredite von etwa 500 Mio Euro ebenfalls zurück.

Weitere Information:

Bericht des tschechischen Generalkonsulats in der Türkei:
http://download.czechtrade.cz/odsi.asp?id=56948


Ulrich Eichelmann , ECA Watch Österreich
Tel. 0043 676 6621512