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23.04.2010: Akbank kündigt in Folge von Ilisu stärkere Berücksichtigung von Umweltaspekten an    

Bei der Vorstellung ihres ersten Nachhaltigkeitsberichts kündigte Akbank-Chefin Sabancı Dinçer an, künftig verantwortungsbewusster bei der finanziellen Unterstützung von Projekten vorzugehen und viel stärker zu beachten, inwiefern die Projekte die Rechte von Kindern, die Umwelt und ethische Grundsätze verletzen. Wie die Zeitung Hürriyet vom 16.4.2010 berichtet, habe der Nachhaltigkeitsbericht „neue Inspirationen" für das Management gebracht und zu einem neuen Verständnis von Investment und Engagement geführt.

Als Anlass für diesen Gesinnungswandel benennt Suzan Sabancı Dinçer unter anderem die Kontroverse um den Ilisu-Staudamm, an dessen Finanzierung sich neben der Garantibank auch die Akbank beteiligt, nachdem europäische Finanzierer ausgestiegen waren. Die Kritik an dieser Finanzierungsentscheidung habe dazu geführt, dass ein spezieller Artikel zum Umweltschutz in die Vergaberichtlinien aufgenommen wurde. Sollte ein Projekt die Umwelt beeinträchtigen, werde dies künftig nicht mehr unterstützt. An der Finanzierung des Ilisu-Staudamms hält die Bank aber nach wie vor fest.

„Die zahlreichen Aktionen in der Türkei und Europa zeigen offensichtlich Wirkung", begrüßt Heike Drillisch von GegenStrömung die Ankündigung Sabancı Dinçers. Das deutsche Netzwerk verfolgt das Ilisu-Projekt seit langem und hatte in den vergangenen Monaten Briefaktionen und Kundgebungen vor den europäischen Niederlassungen der Akbank initiiert. „Der Verbleib im Ilisu-Projekt ist jedoch völlig inakzeptabel."

Da der Ilisu-Staudamm ein Projekt des türkischen Finanzministeriums sei, habe die Bank keine Einsicht in die genauen Projektunterlagen gehabt, hatte Sabancı Dinçer ihre Beteiligung an dem Vorhaben begründet.

„Dass ein so hoch umstrittenes Projekt wie der Ilisu-Staudamm ohne genaue Prüfung bewilligt wurde, stellt der Akbank ein Armutszeugnis aus", stellt Halime Yakut für GegenStrömung fest. „Die Akbank muss ihren sofortigen Rückzug aus dem Projekt erklären und sich bei der türkischen Regierung dafür einsetzen, dass der Bau des Ilisu-Staudamms endgültig gestoppt wird."

Link zum Artikel in Hürriyet: http://arama.hurriyet.com.tr/arsivnews.aspx?id=14434687

 

Kontakt:

Heike Drillisch, +49-177-345 2611, heike.drillisch@gegenstroemung.org

Halime Yakut, +49-178-2315072, helime@web.de

 

Hintergrund und weitere Informationen:

Der Ilisu-Staudamm am Tigris im Südosten der Türkei würde bis zu 80.000 Menschen betreffen. Die antike Stadt Hasankeyf und zahlreiche archäologische Stätten sowie 313 km² ökologisch wertvoller Flussauen würden überflutet. Die Auswirkungen wären bis weit in den Irak hinein spürbar. Im Juli 2009 hatten die Regierungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz Bürgschaften für das Projekt zurückgezogen, da daran geknüpfte Auflagen zur Umsiedlung, Umweltschutz und Kulturgüterschutz von türkischer Seite nicht eingehalten wurden. Daraufhin stiegen auch die Privatbanken BankAustria/UniCredit, DekaBank und Société Générale aus dem Projekt aus. Anfang 2010 übernahmen Akbank und Garantibank einen Teil der Finanzierungslücke.