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Aufruf zur Teilnahme: 15. März: Europaweiter Protest gegen Ak- und Garantibank wegen Ilisu-Kredit    

Anlässlich des Internationalen Tags der Flüsse am kommenden Montag, den 15.03.2010, werden UmweltaktivistInnen mit Mahnwachen und Kundgebungen in neun europäischen Städten die beiden türkischen Banken Akbank und Garantibank auffordern, keinen Kredit für den Ilisu-Staudamm zu geben. Die beiden Banken haben angekündigt, nach dem Rückzug der deutschen, österreichischen und schweizerischen Regierungen und europäischer Privatbanken aus dem Projekt zusätzliche Kredite bereit zu stellen. Vor allem in Wien und Strassburg werden die AktivistInnen zudem die österreichische Strabag ermahnen, sich nicht an den Staudammprojekten Konaktepe I und II in der Provinz Dersim (Tunceli) zu beteiligen.

Die UmweltschützerInnen reagieren damit auf Ankündigungen der türkischen Regierung, im Frühjahr den Ilisu-Staudamm am Tigris mit einheimischer Finanzierung weiter bauen zu wollen und auch am Munzur-Fluss in Dersim zahlreiche Dämme zu planen.

Datum: Montag, 15.03.2010

Orte:    - Frankfurt/M., 14-15.30 Uhr, vor Akbank, Taunustor 2, 60311 Frankfurt

- Essen, 14-16 Uhr, vor Akbank, Huyssenallee 3, 45128 Essen

- Hannover, 15-16 Uhr, vor Akbank, Goethestr. 6c, 30169 Hannover

- Berlin, 11.30--13.30 Uhr, Kottbuser Tor, 10179 Berlin

- Amsterdam, 10.30-11.30 Uhr, vor Akbank, Amstelplein 1, 1096 HA Amsterdam

- Amsterdam, 12-13 Uhr, vor Garantibank, Keizersgracht 569 - 575, 1017 DR Amsterdam

- London, 13-14.30 Uhr GMT, vor Akbank, 29 Marylebone Road, London NW1 5JX

- Wien, 14-16 Uhr, vor Strabag, Donau-City-Straße 9 (U1 Kaisermühlen), Wien

- Zürich, 12-14 Uhr, Innenstadt, Zürich

- Strasbourg (14.03.!), 14-16 Uhr, Place Kleber, Strasbourg


Weitere Informationen:

Ercan Ayboga, e.ayboga@gmx.net,
www.hasankeyfgirisimi.com

Heike Drillisch, heike.drillisch@gegenstroemung.org
www.gegenstroemung.org
www.stopilisu.com


Hintergrund:

Die türkische Regierung plant in den nächsten Jahren den Bau von bis zu 2.000 Staudämmen und Wasserkraftwerken, darunter den Ilisu-Staudamm am Tigris und allein 19 Projekte am Munzur-Fluss in Dersim (Tunceli).
Gravierende Umweltschäden, der Verlust unschätzbarer Kulturgüter und der Lebensgrundlagen der Menschen in den Staugebieten wären die Folgen, sollten die Dämme gebaut werden.

Aus dem Ilisu-Projekt am Tigris zogen sich im Juli 2009 die Regierungen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz sowie mehrere Privatbanken zurück, weil das Vorhaben Weltbankstandards nicht erfüllt. Die entstandene Finanzierungslücke wollen nun die Akbank und die Garantibank decken, die auch in Europa und Deutschland mit Filialen aktiv sind, weshalb sie der Hauptadressat dieses Aktionstages sind. Die Menschen im Baustellengebiet sollen im Sommer ihre Häuser verlassen, ohne dass ihnen ausreichende Entschädigungen gezahlt oder neue Einkommensmöglichkeiten angeboten wurden, um ein neues Leben anzufangen.

Das Munzur-Tal und die es umgebende einzigartige Gebirgslandschaft wurden 1971 von der türkischen Regierung zum Naturschutzgebiet erklärt. Bisher ist der größte Teil des Tales noch unberührt und stellt eine unschätzbare ökologische Kostbarkeit dar. Doch zwei Staudämme wurden bereits errichtet, ein weiterer ist im Bau und insgesamt 19 sind geplant. 43 Pflanzenarten, die nur dort vorkommen, sind dadurch vom Aussterben bedroht. Ein beachtlicher Teil der kulturellen Stätten diesereinzigen alewitischen Provinz wird verloren gehen. Die Provinzbewohner befürchten, dass durch die Zersiedelung der Provinz infolge der vielen Stauseen eine Massenabwanderung die Folge sein wird. Der wirtschaftliche Nutzen ist gering: die geplante Energiegewinnung durch die Staudämme macht bei Baukosten in Milliardenhöhe nur knapp 1 % des Gesamtbedarfs der Türkei aus.

Alternative Energieträger wie die Wind- und Sonnenenergie stehen in der Türkei reichlich zur Verfügung. Dennoch setzt die türkische Regierung trotz der bekannten Folgen weiterhin auf den Bau von Großstaudämmen, deren Funktionsfähigkeit auf 40 - 70 Jahre geschätzt wird. Zurück bleiben eine irreversibel zerstörte Natur und die Verarmung großer Bevölkerungsteile, im Falle Ilisu und der Munzur-Dämme überwiegend der kurdischen Minderheit.