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03.12.09: Heuschrecke Andritz: Andritz will als einzige Firma Europas im Projekt verbleiben - Mögliche Unterstützung aus China     

Der österreichische Anlagenbauer Andritz AG will nach Informationen von ECA-Watch Österreich trotz des Ausstiegs und der europäischen Staaten als einziges europäisches Unternehmen offensichtlich am Staudammprojekt in der Türkei festhalten. Die Ausfallshaftung soll dabei eine chinesische ECA übernehmen. Damit würde sich Andritz gegen die Empfehlungen der drei europäischen Staaten stellen. "Wir fordern Andritz auf, sich von dem Projekt zurückzuziehen. Andernfalls würde sie zum internationalen Symbol für rücksichtslose Profitgier werden," so Ulrich Eichelmann von ECA Watch Österreich.

"Der nachhaltige Schutz der Umwelt und die Schonung der natürlichen Ressourcen sind wesentliche Anliegen der ANDRITZ-GRUPPE," so präsentiert sich Andritz AG im Internet.
http://www.andritz.com/de/ANONID12104A9E57256C6A/about-us/sustainability/
investors-environmental-sustainability.htm

Schöne Worte, doch die Realität sieht völlig anders aus. Trotz nachgewiesener katastrophaler Folgen für Kulturgüter, Umwelt und Menschen sowie für den Irak will Andritz weiterhin am Projekt festhalten.

Im Juli hatten sich Deutschland, Österreich und die Schweiz wegen gravierender Verstöße gegen internationale Standards aus dem Ilisu-Projekt zurückgezogen. Ebenso die europäischen Banken (UniCredit/Bank Austria, DekaBank und Société Général). Diese ündigten die in Aussicht gestellten Kredite von über 400 Millionen Euro. Die europäischen Baufirmen halten sich bis heute bedeckt, aber nach Informationen von ECA Watch werden sich auch die zur STRABAG Gruppe gehörende deutsche Baufirma Züblin sowie die Schweizer Alstom nicht mehr am Ilisu-Projekt beteiligen. Bleibt allein Andritz.

Andritz möchte nun offensichtlich das Ilisu-Geschäft über ihre Zweigstellen in China abwickeln. Der chinesische Exportversicherer "Sinosure" könnte die abgesprungenen europäischen Exportkreditagenturen (Oesterreichische Kontrollbank, Euler Hermes und SERV) ersetzen und Ilisu versichern.

Andritz hat sich in den letzten Jahren an immer mehr umstrittenen Projekten beteiligt, etwa an einer riesigen Papierfabrik, die auf der Insel Tasmanien gebaut werden soll. Für den Betrieb dieser Anlage müssten 200.000 Hektar Urwald gerodet werden. Andritz erhofft sich einen Auftrag in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro.