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04.06.09: Umweltschutzorganisationen entsetzt: Erst Ilisu, dann Tasmanien!    

Neues Skandalprojekt neben Ilisu-Staudamm - Greenpeace und ECA Watch protestieren vor Andritz AG


Wien/Andritz,-- Mit einer spektakulären Aktion vor dem Hauptgebäude der Andritz AG protestieren heute Greenpeace und ECA Watch gegen die Beteiligung des Unternehmens an der "Bell Bay Pulp Mill" - einer gigantischen Zellstofffabrik in Tasmanien. Mit der Verwandlung des Haupteingangs in ein Holz fressendes Monster soll darauf hingewiesen werden, dass sich die Andritz AG maßgeblich daran beteiligt, einen der letzten Urwälder unserer Erde zu vernichten.

Beteiligung an weiterem Skandalprojekt

"Nach dem Ilisu-Staudammprojekt am Tigris in der Südost-Türkei wollen sich die Andritz AG und die Österreichische Kontrollbank (OeKB) nun an einem weiteren Skandalprojekt beteiligen. Trotz massiver Umweltauswirkungen und gewaltigem Widerstand aus der Bevölkerung soll dieses Projekt durchgesetzt werden. Seit Jahren ist das "Bells Bay Pulp Mill"-Projekt in Australien Umweltthema Nummer eins", so Thomas Wenidoppler von ECA Watch. Auf der zu Australien gehörenden Insel Tasmanien soll die drittgrößte Papier- und Zellstofffabrik der Welt gebaut werden, mit enormen Folgen für die Natur. Um diese Fabrik zu betreiben, sollen in den nächsten 25 Jahren etwa 200.000 Hektar Urwald gerodet und durch Plantagen ersetzt werden.

Urwaldzerstörung und 10 Millionen Tonnen Treibhausgas jährlich

"Die Andritz AG will eine Fabrik errichten, die eine Urwaldfläche fast so groß wie Vorarlberg fressen wird. Und unser Steuergeld soll als Rückendeckung für dieses Geschäft herhalten", so Jurrien Westerhof von Greenpeace. "Dass ausgerechnet ein Unternehmen aus der Grünen Mark in so einen Umweltskandal am anderen Ende der Erde involviert ist, ist eine Schande. Andritz und die Kontrollbank sollen sich aus diesem Projekt zurückziehen!" Einige der Urwaldriesen sind über tausend Jahre alt und mehr als 100 Meter hoch. Durch die Rodungen und den Betrieb der Anlage sollen pro Jahr 10 Mio. Tonnen Treibhausgase entweichen. Das kommt beinahe den jährlichen Emissionen von der gesamten Steiermark gleich. Die Konsequenzen für Flora, Fauna, lokalen Tourismus, Landwirtschaft und Fischfang wären unabsehbar. Zahlreiche nur in Tasmanien vorkommende Arten, wären akut bedroht. Darunter der Tasmanische Beutelteufel, der Tasmanische Keilschwanzadler, der Schwalbensittich oder auch der größte Flusskrebs der Welt, der Tasmanische Riesen-Flusskrebs. Er kann bis zu einen Meter groß werden.

Andritz will Bau gegen alle Widerstände durchsetzen

In Australien sind wegen dieses Projekts zahlreiche Gerichtsverfahren anhängig. Australische und viele internationale Banken lehnten eine finanzielle Unterstützung bereits ab -- darunter auch die österreichischen Kreditinstitute Hypo Vereinsbank, RZB, Erste Bank. Auch die Bank Austria ist nach eigenen Angaben nicht involviert. In Australien sind namhafte Politiker, die das Projekt unterstützen, bereits zurückgetreten. Trotzdem will sich die Andritz AG nach wie vor daran beteiligen und einen Teil des Auftrags über kolportierte 500 Mio. Euro von der OeKB versichern lassen. Die Kontrollbank prüft derzeit nach eigenen Angaben, ob sie die Haftung übernimmt (siehe http://www.oekb.at/de/exportservice/transparenz-compliance/Projekte-der-Umweltkategorien-A-B/Kategorie-A-vor-Haftungsuebernahme/Seiten/default.aspx).

Greenpeace und ECA Watch sprechen sich entschieden gegen das katastrophale Projekt aus. "Wir werden nicht zulassen dass Andritz mit der Rodung der letzten Urwälder und der Verschmutzung des Meeres Profite machen kann," so Jurrien Westerhof von Greenpeace und Thomas Wenidoppler von ECA-Watch unisono.

 

Fotos zu Flora und Fauna Tasmanien