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Menschenrechte spielen keine Rolle    

„Ich bin im Dorf Cöltepe, das im Kreis Siirt liegt, geboren und aufgewachsen. Im Jahr 1993 wurden ich, meine Familie und alle Dorfbewohner von Sicherheitskräften und Dorfschützer aus Sicherheitsgründen aus unserem Dorf zwangsvertrieben. Ich bin arbeitslos und habe keine Berufsausbildung. Im Dorf haben wir Land- und Viehwirtschaft betrieben, was für unseren Lebensunterhalt ausreichte. Dann kam ein Gesetz heraus, wonach wir in unsere Dörfer zurückkehren könnten. Doch dann wurden wir mit dem Staudamm konfrontiert. Die Staudammbauer haben nicht nach unserer Meinung zum Staudamm gefragt. Die den Staudamm bauenden Unternehmen kamen nicht einen einzigen Tag zu uns, um unsere Einstellung anzuhören. Ich nehme an, dass sie es auch nicht für notwendig halten. Ich möchte nicht, dass die Orte, wo ich lebte, überflutet werden. …“ (Ramazan Ilten, Bauer) 

Zehntausende von Menschen aus 199 Siedlungen sind direkt von der Umsiedlung betroffen. Die Angaben von Regierungsstellen über die Anzahl der betroffenen schwanken zwischen 54 000 und 78 000. Diese Menschen werden ganz oder teilweise ihre Lebensgrundlage verlieren und viele davon werden nicht entschädigt.

Zusätzliches Konfliktpotenzial birgt die Umsiedlung durch die anhaltend prekäre Menschenrechtssituation in dem vorwiegend von Kurden besiedelten Gebiet. Die durch Vertreibung und Unterdrückung der Kurden in den letzten Jahren vorangetriebene kulturelle Entwurzelung wird weiter verschärft. Weder die lokale Bevölkerung noch die Kommunalbehörden wurden angemessen über das Projekt informiert, erst recht nicht konsultiert, noch in die Planung mit einbezogen. Seit dem 6. Juni 2007 sind drei Provinzen an der irakischen Grenze vom türkischen Militär zu Sicherheitszonen erklärt und die Bürgerrechte dort eingeschränkt worden. Eingeschlossen sind auch vom Staudammprojekt betroffene Regionen. Keine Bedingungen, die dazu ermutigen, eigene Rechte einzufordern.

Ein Großteil der Betroffenen würde in die Städte Batman und Diyarbakir ziehen. Durch die Vertreibung aus den ländlichen Regionen – auf Grund von früheren Staudammbauten oder gewalttätigen Konflikten – sind diese Städte im Südosten der Türkei ohnehin extrem angewachsen. Die Einwohnerzahl der Stadt Diyarbakir wuchs seit dem Jahr 2000 um mehr als das doppelte (von 600 000 auf über 1,3 Mio.).
Man stelle sich das mal für
Bonn oder Bremen vor: Wären deutsche, österreichische u. a. europäische Städte einer vergleichbaren sozialen Situation gewachsen? Diyarbakir ist es nicht: Die Folgen für die entwurzelten Menschen sind Verarmung und Massenarbeitslosigkeit (70% in den Zuzugsvierteln), die Kriminalitätsrate steigt und die Zahl seelischer Erkrankungen nimmt zu. “Seit dem Jahr 2000 bilden durch den Zuzug in die Städte die Frauenselbstmorde ein Hauptthema der Tagesordnung in Diyarbakir.” (Handan Cosgun, Diyarbakır Metropolitan Municipality, Turkey) 

85% der lokalen Bevölkerung haben sich gegen den Staudamm ausgesprochen! 

Der überwiegende Großteil der betroffenen Bevölkerung ist gegen den Ilisu-Staudamm und den Untergang Hasankeyfs.  Die Auflagen bezüglich Menschrechte, Umwelt- und Kulturgüterschutz erschienen bereits unter der Beteiligung Deutschlands, Österreichs und der Schweiz halbherzig und die Türkei hielt auch diese nicht ein. Mittlerweile haben erste Umsiedlungen in Ilisu begonnen, den Bewohnern des Dorfes werden zuerst Land und dann ihre Häuser weggenommen. Für die neuen Häuser müssen sie ein Vielfaches von dem zahlen, als sie für ihr Eigentum erhalten und mit dem Verlust ihres Landes verlieren sie auch ihr Einkommen - eine unentringbare Schuldenfalle. -> siehe auch: Neue Skandale im Ilisu-Projekt (01.06.2010:) 

Weitere Information:

 

 

last updated: 23.08.2010