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Keine Zerstörung des Tigristals! Hasankeyf darf nicht untergehen!    

"Ein Strom ging aus von Eden, um den Garten zu bewässern, und von dort teilte er sich in vier Arme. Der Name des einen ist Pischon: er umfließt das ganze Land Hawila, wo Gold  vorkommt. ... Der Name des zweiten Flusse ist Gichon: er umfließt das ganze Land Kusch. Der Name des dritten Flusses ist Tigris; er fließt östlich von Assur. Der vierte Fluss ist  der Euphrat. " (Altes Testament, Genesis 2,9 ff)

Die älteste Kulturlandschaft der Menschheit

Der Oberlauf des Tigris zählt zu den ältesten Kulturregionen der Erde und wichtigsten Täler der Menschheitsgeschichte, dem Fruchtbaren Halbmond. Hier, im alten Mesopotamien wurde der Getreideanbau entwickelt und hier entstanden die ersten festen Siedlungen der Menschheit. Diese Region ist die Wiege der Kultur Europas und des Nahen Ostens. Viele Hochkulturen hinterließen hier ihre Spuren. Heute ist das Gebiet Heimat der türkischen Kurden. Kultur bedeutet für die Bevölkerung deshalb die persönliche und gelebte Kultur ihrer Gemeinschaften. Mit der geplanten Flutung ihrer Dörfer und Kleinstädte, der Gräber ihrer Vorfahren und auch vieler im Konflikt mit der Regierung getöteten Angehörigen, wird diese Kultur geleugnet und ihre Zeugnisse der Erinnerung und der Forschung entzogen.

Mit dem Bau des Staudamms würde das geschichtsträchtige Tigristal auch der Wissenschaft für immer verloren gehen. Türkische Denkmalschützer und Archäologen haben deshalb gegen den Staudamm protestiert. Bei Kartierungen stießen Forscher auf mehr als 200 antike Stätten. Rettungen dieser Fundstätten sind nicht geplant und noch sind die über 30.000 Hektar des zukünftigen Flutungsgebiets nicht erfasst, geschweige denn ausgegraben. Die Wahrscheinlichkeit für herausragende frühgeschichtliche Funde ist sehr hoch: Bei Urfa, 200 km westlich von Hasankeyf gelegen, wird die Abrahamsgrotte seit der Jungsteinzeit als heilige Quelle verehrt und dort fand man am Göbekli Tepe ("Nabelberg") eine der ersten Kultstätten der Menschheit, wo vor 12.000 Jahren, als Obermesopotamien aus dem Eis des Spätglazial erwachte, Wildjäger Stelen und Totempfähle aus dem Fels schlugen. 

Wie würden die Franzosen reagieren, wollte man Paris überfluten und nur Notre Dame und den Eiffelturm versetzen?

Die architektonische Perle des Tigristals ist die antike Stadt Hasankeyf mit wahrscheinlich ebenfalls 12.000 Jahre alten Wurzeln, nachweislich jedenfalls seit über 6.000 Jahren durchgängig besiedelt. Natürlich, Hasankeyf ist mit seinen (noch verbliebenen) ca. 3.800 Einwohnern sehr klein, aber es ist das, was Paris für Franzosen ist: Ein Symbol kultureller Identität. Doch Stadt und Region sind auch weltweit von großer kultureller Bedeutung: Das türkische Kulturministerium erklärte Hasankeyf schon 1978 zu einer archäologischen Stätte ersten Ranges, jegliche bauliche Veränderung ist untersagt. De facto ist diese Stadt ein Weltkulturerbe und erfüllt die UNESCO-Kriterien, vergleichbar mit den ägyptischen Pyramiden (obwohl die nur Dokument einer einzigenKultur sind - in Hasankeyf haben sich 23 Kulturen verewigt!). Rechtlich besitzt Hasankeyf den Status nicht, da die Türkei sich weigert diesen Schutz bei der UNESCO zu beantragen. Politiker verweisen aber immer wieder auf die geringe Wertigkeit Hasankeyfs, weil es ja "kein Weltkulturerbe sei."

Hasankeyf bildet ein wunderbares Emsemble
: Haus über Haus schmiegt sich die Stadt an die steilen Felsenufer des Tigris. Oben thronen die Ruinen der alten Festung, darunter erstreckt sich das lebendige Städtchen mit Moscheen aus der Ayubidenzeit und den Resten einer 1116 vom Artukiden-Herrscher Fahrettin Karaaslan errichtete Tigris-Brücke.

Am Nordufer etwas außerhalb der Stadt befindet sich mit dem Mausoleum des Zeynel Bey ein wichtiges historisches Grabmonument. 

Weltweit einzigartig sind die Höhlen. An beiden Seiten des Tigris und direkt unter dem Festungsfelsen sind insgesamt fast 6000 Höhlen in die Berge geschlagen worden, manche sind noch immer bewohnt. Sie boten klimatisch hervorragende Eigenschaften in den sehr heißen Sommern.

Das türkisch-europäische Staudamm-Konsortium verpflichtete sich 2007 dazu, 30 Mio.  Euro für die Rettung der historischen Stadt Hasankeyf aufzuwenden. Doch bereits damals Expertengutachten belegen, dass die geplanten Rettungsarbeiten vollkommen ungeeignet sind. Lediglich einzelne Baudenkmäler sollten versetzt werden, was wegen des schlechten Zustandes der Gebäude oder der Bauweise zum Teil gar nicht möglich ist. Mittlerweile sollen nur mehr Kopien der wichtigsten Monumente in einem "Archäologie-Park" errichtet werden.

Jedes Bauwerk in Hasankeyf steht mit seiner ursprünglichen Umgebung in unmittelbarem, wesentlichem Zusammenhang. Die Felsenstadt mit ihren übereinander gebauten Kulturdenkmälern und den Höhlen direkt am Tigris kann man nicht retten, indem einzelne Objekte in einen Park versetzt werden, der Rest aber in den Fluten versinkt. Das von den Befürwortern des Projektes gern verwendete Argument "Wir retten Hasankeyf durch das Projekt!" ist, wenn nicht gar blanker Zynismus, nichts anderes als das Produkt einer Marketingstrategie!  

Weitere Information:

T. Schmidinger: Historische Kulturen und archäologische Stätten...

Eine Chronik der kurdischen Geschichte

Archäologe Hoffmann warnt vor Flutung von Hasankeyf

 

last updated: 18.08.2010