Das Projekt
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Ökologische Folgen
Umsiedlungen
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UNESCO Welterbe

Hintergrundinformationen    

Am Tigris in Südostanatolien soll einer der umstrittensten Staudämme der Welt entstehen – der Ilisu Damm. Im Frühjahr 2008 wurde mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen, damals noch mit tatkräftiger Unterstützung Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Nach drei Jahren öffentlicher Proteste in Europa und der Türkei und fortlaufender Missachtung internationaler Standards kündigten die drei Länder im Juli 2009 ihre Verträge mit der Türkei und es kam im Sommer 2009 zu einem Baustopp. Auch die europäischen Banken und Unternehmen zogen sich daraufhin aus dem Projekt zurück, allein die österreichische Andritz AG hält weiterhin an "Ilisu" fest.
 
Im Frühjahr 2010 wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen, die Türkei versucht nun das Projekt aus eigener Tasche (ohne Gelder aus Europa) zu finanzieren und gegen den Willen der lokalen Bevölkerung durchzusetzen. Die Bauzeit soll insgesamt 7-8 Jahre betragen.
 
Der Ilisu-Staudamm hätte schwerwiegende Auswirkungen auf die Region: Etwa 400 Kilometer des Tigris und seiner Nebenflüsse würden zerstört, durch Einstau flußaufwärts und durch den Schwallbetrieb flussabwärts des Kraftwerkes. Unterhalb des Dammes würden künstliche Flutwellen das Ökosystem vernichten, Lebensraum für zum Teil weltweit bedrohte Arten und für eine bislang wenig erforschte Flora und Fauna.

Über 200 bekannte archäologische Fundstätten würden vernichtet, darunter die berühmte antike Stadt Hasankeyf, in deren Umfeld sich 23 Kulturen verewigt haben, nicht zu reden von vermuteten, aber noch unbekannten Stätten aus 10 000 Jahren Menschheitsgeschichte.


Zigtausende von Menschen müssten ihre Heimat verlassen, Siedlungen und wertvolles Ackerland würden geflutet. Der Plan steht zudem im Widerspruch zu internationalen Abkommen, da die Nachbarstaaten Syrien und der Irak nicht konsultiert wurden. Außerdem werden die ethnischen Konflikte in Anatolien verschärft.

 

 last updated: 18.08.2010