16.10.2008: Pressegespräch "Umweltzerstörung als Exportschlager"    

Umweltzerstörung als Exportschlager
In Tasmanien droht Urwaldzerstörung durch OeKB und Andritz


Wien, 16.10.2008 Die Österreichische Kontrollbank (OeKB) und die Andritz AG wollen sich nach „Ilisu" an einem weiteren Skandalprojekt beteiligen und zwar an der „Bell Bay Pulp Mill" - einer gigantischen Zellstofffabrik in Tasmanien. Über 200.000 Hektar Urwald - doppelt soviel Fläche wie der gesamte Wienerwald - sollen dafür gerodet und täglich 64.000 Kubikmeter Abwasser ins Meer geleitet werden.  Luke Chamberlain von der australischen
Umweltorganisation „The Wilderness Society" dazu heute bei einem Pressegespräch in Wien: „Dieses Vorhaben ist das umstrittenste in ganz Australien. Wir ersuchen Österreich und Andritz dringend, sich aus diesem Projekt zurückzuziehen. Andernfalls würde auch das Image Österreichs in Australien in Verruf geraten".

Für ECA Watch ist dieses Projekt ein weiterer Beweis dafür, wie es um die Exportwirtschaft in Österreich steht: „Ilisu ist kein Einzelfall. Das angebliche Umweltmusterland Österreich wird mehr und mehr ein Land, von dem Umweltzerstörung ausgeht", so Ulrich Eichelmann. Greenpeace und GLOBAL 2000 sprechen sich ebenso vehement gegen das Projekt aus.
Seit Jahren ist das Bells Bay Pulp Mill Projekt in Australien Umweltthema Nummer eins. Auf der zu Australien gehörenden Insel Tasmanien soll die drittgrößte Papier- und Zellstofffabrik der Welt gebaut werden, mit enormen Folgen für die Natur. Um diese Fabrik zu betreiben, sollen in den nächsten 25 Jahren etwa 200.000 Hektar Urwald gerodet und durch Plantagen ersetzt werden. Die Fläche entspricht zweimal der Größe des gesamten Wienerwaldes. Einige der Urwaldriesen sind über tausend Jahre alt und mehr als 100 Meter hoch. Täglich sollen dazu 64.000 Kubikmeter Abwässer ins Meer geleitet werden. Die Konsequenzen für Flora, Fauna und Menschen wären unabsehbar. Zahlreiche nur in Tasmanien vorkommende Arten, wären akut bedroht. Darunter der Tasmanische Beutelteufel, der Tasmanische Keilschwanzadler, der Schwalbensittich oder auch der größte Flusskrebs der Welt, der bis zu einen Meter große Tasmanische Riesen-Flusskrebs.
Darüber hinaus hätte das Projekt weit reichende Folgen für unser Klima. Das seit Jahrhunderten in den Urwäldern gespeicherte CO2 würde schlagartig freigesetzt. „Durch die Rodungen und den Betrieb der Anlage sollen pro Jahr 10 Mio. Tonnen des Treibhausgases entweichen. Das entspricht den jährlichen Emissionen von ganz Wien", erläutert Lisa Kernegger von GLOBAL 2000.
In Australien sind wegen dieses Projekts zahlreiche Gerichtsverfahren anhängig und australische Banken lehnten eine finanzielle Unterstützung ab. Der vehemente nationale Protest hat bereits zu Rücktritten von namhaften Politikern geführt, die die Papierfabrik unterstützen.
Trotzdem will sich die Andritz AG an dem Projekt beteiligen und den Auftrag über kolportierte 35 Mio. Euro von der OeKB versichern lassen. Die Kontrollbank prüft derzeit nach eigenen Angaben, ob sie die Haftung übernimmt.

Greenpeace, GLOBAL 2000 und ECA Watch sprechen sich entschieden gegen das katastrophale Projekt aus. „Wir werden nicht zulassen, dass unser Steuergeld dafür herhalten muss, dass Andritz mit der Rodung der letzten Urwälder Profite machen kann," so Jurrien Westerhof von Greenpeace CEE abschließend.

Siehe dazu auch:
fact sheet zu Bell Bay Pulp Mill von ECA Watch (deutsch)

fact sheet zu Auswirkungen von Wilderness Society (englisch)


Weitere Informationen:

  • Luke Chamberlain - The Wilderness Society/Australien, bis  19.10. erreichbar unter 0650-5901656 
  • Ulrich Eichelmann - ECA Watch: 0676-6621512
  • Jurrien Westerhof - Greenpeace CEE: 0664-6126701
  • Lisa Kernegger - GLOBAL 2000, 0699-14200022

Die folgenden Fotos wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Rob Blakers, Geoff Law/The Wilderness Society.

Wald in Tasmanien

Wald in Tasmanien

Wald in Tasmanien

Baum

Demonstration

Brennender Wald

gerodeter Wald