25.03.2008: Internationaler Druck gegen Ilisu wächst    

Internationaler Druck gegen Ilisu wächst: Kritischer Bericht der Financial Times

Wien, 25.März 2008

Das Ilisu-Projekt und Österreich geraten immer stärker unter internationalen Druck. Wenige Tage nach der Präsentation des Expertengutachtens veröffentlichte am Wochenende auch die angesehene Wirtschaftszeitung „Financial Times" einen äußerst kritischen Bericht über das Projekt. Danach wäre Ilisu eine Katastrophe für die Bewohner und die kulturellen Schätze sowie ein Druckmittel gegen die Kurden. „Mit jedem Bericht wird es deutlicher: Ilisu darf nicht gebaut werden. Herr Scholten, stoppen Sie das Projekt bevor unwiederbringlicher Schaden, auch am Ansehen Österreichs angerichtet ist!", fordert DI Ulrich Eichelmann von ECA-Watch und Koordinator der „Stop Ilisu" Kampagne. Der Beitrag, in dem die Österreichische Kontrollbank (ÖKB) und die Österreichische Botschaft in Ankara vorkommen, ist in Form dreier Kurzfilme zu sehen.

Fast zwei Wochen lang verbrachten die Journalisten Micah Garen und Marie-Helen Carleton im Januar in der Region, interviewten betroffene Bewohner, Politiker, Befürworter und Gegner des Projekts. Was sie vorfanden, sollte auch die letzten Befürworter in Europa nachdenklich machen. Der Bericht zeigt nicht nur die katastrophalen Auswirkungen, sondern auch die Methoden der Befürworter, mit denen Ilisu v.a. in Europa positiv dargestellt werden soll: gezielte Fehlinformation der Öffentlichkeit und Einschüchterung der lokalen Bevölkerung. Die Diskrepanz zwischen den Aussagen der Befürworter und dem, was die Journalisten vor Ort tatsächlich vorfanden, war enorm. So sprechen verantwortliche türkische Politiker darüber, dass die betroffene Bevölkerung geschlossen für das Projekt ist („You can not find one villager who does not support the dam".). Tatsächlich aber stieß die Financial Times auf einhellige Ablehnung. „Entlarvt" werden im Film zwei vermutlich bezahlte Befürworter aus der Region, die auch schon in Wien für das Projekt warben, angeblich im Namen der Bewohner und vermutlich auf Einladung des Baukonsortiums oder der ÖKB. Sie waren die einzigen zwei Befürworter in der gesamten Region, die die Journalisten fanden.

Der Bericht geht auch den Fragen nach, ob der Staudamm eine Funktion in dem ethnischen Konflikt mit den Kurden hat und welche Erfahrungen die Menschen mit vergangenen Staudammprojekten gemacht haben, bei denen ebenfalls deutsche und österreichische Firmen sowie deren Exportkreditagenturen beteiligt waren. Keine guten, soviel sei verraten.

Richard Bandera von der Österreichische Botschaft in Ankara betont im Beitrag die Rolle der drei europäischen Staaten mit den Worten: „The ECA´s in Europe have a very high standard respecting human rights, environment issues or cultural heritage...". Vor dem Hintergrund der geradezu vernichtenden Analyse der Journalisten erscheint diese Aussage als blanke Ironie. Sollte es Richard Bandera aber ernst meinen, dann muss er Rudolf Scholten und Finanzminister Molterer den sofortigen Ausstieg aus dem Projekt empfehlen.

Artikel der Financial Times lesen  (englisch)

Filme ansehen

Weitere Information:

DI Ulrich Eichelmann
Projektleiter der Kampagne  „Stop Iisu - Rettet Hasankeyf" 

Tel: +43/676/6621512